Mettmann, 12. Oktober 2011. Der Megatrend Nachhaltigkeit stand im Mittelpunkt der Umweltkonferenz von SCA Graphic Paper in Mettmann. Die hochkarätigen Redner kamen aus der Wissenschaft, der Industrie, von Verbänden, Nichtregierungs-Organisationen und Agenturen. Sie spannten einen breiten Bogen und beleuchteten das Thema mit all seinen Facetten aus verschiedenen Blickwinkeln. Das Ergebnis waren spannende Diskussionen, gegenseitige Inspiration und viele Gedankenanstöße für nachhaltiges Handeln.
Rainer Swidersky und Christian Jung von SCA Graphic Paper informierten über die Rolle der Papierindustrie in Deutschland sowie weltweit. Sie verdeutlichten die Internationalität von Papier und Karton durch die internationalen Rohstoffströme. Sie zeigten auf, dass uns Papierprodukte in unserer industrialisierten Marktwirtschaft im täglichen Leben auf vielfältige Weise begegnen, wie Umwelt-Label funktionieren und wie Unternehmen durch verantwortungsvollen Materialeinkauf nachhaltiger und zugleich erfolgreicher wirtschaften können.
Nachhaltiges Handeln umfasst ökologische, soziale und ökonomische Aspekte. In einem gespielten Dialog diskutierten Tobias Heimpel, (Projekt:Agentur), und Alexander Rossner, (one sustainibility GmbH) am ersten Tag Punkte wie Energie und Energieeffizienz, Klimaschutz und Politik sowie den CO2-Emissionshandel. Dem ökologisch und sozial korrekten Verhalten stellten Sie das Massenverhalten und somit die Realität gegenüber. Es zeigte sich, dass Anspruch und Wirklichkeit oft nicht zusammen passen. Der kontroverse Beitrag von Heimpel und Rossner war ein idealer Einstieg ins Thema und sorgte beim gemeinsamen Abendessen für rege Diskussionen unter den rund 70 Teilnehmern.
Beim Vortrag von Professor Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher wurde einmal mehr deutlich, dass Nachhaltigkeit ein globales Thema ist. Die Weltbevölkerung steigt kontinuierlich an, immer mehr Menschen verbrauchen immer mehr Ressourcen. Dazu kommt die Steigerung des Lebensstandards in Ländern wie China, die ebenfalls mit einem steigenden Ressourcenbedarf verbunden ist. Diese Herausforderungen zu lösen, wird die Aufgabe der Zukunft sein. Professor Radermacher wies auf die Bedeutung von Wäldern als CO2-Speicher hin. Eine massive Aufforstung könne helfen, das Klimaziel noch zu erreichen.
Papier ist ein wertvoller Rohstoff – weltweit steigt die Papiernachfrage kontinuierlich an. Umso wichtiger ist es, die letzten noch verbliebenen Naturwälder zu schützen.
Rüdiger Maaß (Geschäftsführer Fachverband Medienproduktioner e.v. und Gründer der Brancheninitiative Media Mundo) zeigte auf, warum nachhaltige Printmedien auf jeden Fall ein wesentlicher Baustein einer verantwor-tungsvollen Unternehmenskultur sind. Das Thema hat sich allerdings in der Kommunikations- und Druckbranche problematisch etabliert.
Aufgrund fehlender Standards und Vorgaben hat sich in Teil-bereichen eine unkontrollierte Eigendynamik entwickelt. Da häufig nur auf Druck des Kunden gehandelt wird, reduzieren sich nachhaltige Printmedien oftmals zur Plattform für eine unklare Positionierung in Form von Labelkommunikation.
Dr. Martina Eisenbeis von SCA Tissue Europe informierte darüber, dass der schwedische SCA Konzern das Thema Nachhaltigkeit fest in seiner Unternehmensphilosophie verankert und klare Ziele, zum Beispiel zur Reduktion von CO2-Emissionen und Wasserverbrauch, formuliert hat. SCA ist mit einer Fläche von 2,6 Millionen Hektar der größte private Waldbesitzer in Europa und einer der größten Lieferanten von Forest-Stewardship-Council-zertifizierten Produkten. Bereits 1999 wurden die Wälder von SCA in Abstimmung mit dem Forest Stewardship Council zertifiziert. SCA trat 2008 dem UN Global Compact bei und wurde 2011 erneut vom Ethisphere Institut, USA, als eines der ethischsten Unternehmen ausgezeichnet. SCA hat frühzeitig die große Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit erkannt und Maßnahmen ergriffen, um nachhaltiger zu wirtschaften.
Dass Nachhaltigkeit mehr Lust als Pflicht sein sollte, wurde bei dem Vortrag von Sabine Braun, geschäftsführende Gesellschafterin der akzente kommunikation und beratung gmbH, deutlich. Sie stellte klar, dass sich für Unternehmen durch nachhaltiges Wirtschaften echte Werte schaffen lassen.
Dr. Uwe Sayer, Geschäftsführer des Forest Stewardship Council (FSC) Deutschland ging auf die Ziele ein, für die sich der FSC einsetzt. Zahlreiche Beispiele zeigten, dass mit dem Einkauf von Produkten mit FSC-Label sichergestellt wird, dass bei der Waldbewirtschaftung hohe ökologische und soziale Standards umgesetzt und die Waldressourcen geschont werden.
Passend dazu umfasst der WWF-Leitfaden zum Papiereinkauf die Stufen verringern, recyceln, FSC-Papier einsetzen und eine saubere Produktion. Wie seine Vorredner betonte auch Johannes Zahnen vom WWF Deutschland, dass sich Unternehmen, die Holz aus fragwürdigen Quellen einsetzen, der Gefahr von massiven Imageschäden aussetzen. Die von Johannes Zahnen, Referent strategische Unternehmenskommunikation beim WWF Deutschland, dargestellte Mission des WWF bringt das Thema auf den Punkt: „Das Schaffen einer Zukunft, in der Menschen im Einklang mit der Natur leben können.“ Doch wie lässt sich dies ganz konkret in unserer Welt realisieren? Gibt es überhaupt noch Hoffnung, dieses Ziel zu erreichen? Was kann jeder einzelne von uns dazu beitragen?
Last but not least belegte Bettina Willmann vom Institut für Handelsforschung (IFH) mit aktuellen Studien und zahlreichen Beispielen, dass die Verbraucher im Alltag sensibler sind. Medien kommunizieren umweltrelevante Themen und Ökologie ist mittlerweile im Lebensalltag angekommen. Verbraucher tauschen sich auf zahlreichen Plattformen im Internet aus und Unternehmen tun gut daran, sich tatsächlich ökologisch und sozial auszurichten und nicht vordergründiges „greenwashing“ zu betreiben.
Die Teilnehmer der Umweltkonferenz zeigten sich von den Vorträgen, aber vor allem auch von dem offenen, konstruktiven und konträren Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit beeindruckt.